Edward W. Said Days 2019

ON COUNTERPOINT

14. - 16. März 2019

Edward W. Said betrachtete Musik als ein Mittel dazu, sich den Widersprüchen des täglichen Lebens zu stellen. Sie war von zentraler Bedeutung für seine Arbeit als Wissenschaftler, und er hat sie dazu genutzt, außermusikalische Dinge zu beschreiben. Said verstand Kontrapunkt – die Kombination von zwei oder mehr Stimmen, die zwar harmonisch voneinander abhängig, rhythmisch und melodisch aber unabhängig sind – als grundlegende Metapher für die Komplexitäten des Lebens. Die Barenboim-Said Akademie lädt ein zu ihrer alljährlichen Hommage an Saids Leben und Werk: ein Blick auf das Phänomen Kontrapunkt in Vortrag, Konzert und Diskussion, kuratiert vom Dekan der Akademie, Prof. Dr. Mena Mark Hanna.

Mit den Edward W. Said Days ehren die Barenboim-Said Akademie und der Pierre Boulez Saal den 2003 verstorbenen palästinensischen Literaturwissenschaftler, der gemeinsam mit Daniel Barenboim das West-Eastern Divan Orchestra ins Leben rief. Said, der auch als Kritiker, Musiker und politischer Aktivist tätig war, gilt als einer der Wegbereiter des Postkolonialismus.

siehe

On Counterpoint

Podcast

Vorstellung des Programms

Prof. Dr. Mena Mark Hanna, Dekan der Barenboim-Said Akademie, stellt das Programm der Edward W. Said Days vor.

LESEEMPFEHLUNGEN

Reflections on Exile

Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen beschäftigte sich Edward W. Said im Laufe seines Lebens immer wieder mit den Herausforderungen für kritisches Denken und humanistisches Handeln im Exil. Lesen Sie zum Einstieg in Saids Gedankenwelt hier die Einleitung zu seinem Essay-Band Reflections on Exile.

Programm

Donnerstag, 14. März: Entwurzelung


An einem Ort zu leben und ihm doch nicht zugehörig zu sein – dieses Phänomen steht im Zentrum des ersten Tages der Edward W. Said Days 2019. Der Dokumentarfilm A World Not Ours von Regisseur Mahdi Fleifel schildert das tägliche Leben in dem permanenten Provisorium eines Geflüchtetenlagers. Michael Woods Vortrag beschäftigt sich mit Verschiebungen und Momenten der Übereinstimmung in Literatur und Musik. Zum Abschluss erzählen die Tallis Scholars in ihrem Konzert sakraler Vokalmusik von der Hoffnung, einen gesicherten Platz in der Welt zu finden.

Freitag, 15. März: Zugehörigkeit, ein immerwährender Verlust


Am zweiten Tag der Edward W. Said Days 2019 dreht sich alles um Zugehörigkeit als etwas, das man nie besitzen, sondern immer nur verlieren kann. In seiner Ausstellung setzt sich der Fotograf Akinbode Akinbiyi mit der Suche nach Harmonie im Exil auseinander. Sa’ed Atshan erkundet in seinem Vortrag die innere Zerrissenheit des palästinensischen Intellektuellen. Und die Tallis Scholars lassen zusammen mit dem Pianisten Christoph Grund in ihrem Konzert einen Renaissance-Musiker und einen palästinensisch-israelischen Komponisten zu unverhofften Nachbarn werden.

Samstag, 16. März: Unheimlichkeiten/Das fremde Vertraute


Der letzte Tag der Edward W. Said Days 2019 kreist um jene Momente, in denen das scheinbar Vertraute plötzlich wieder fremd, offen und ungewiss erscheint. Die Schriftstellerin Adania Shibli untersucht in ihrem Vortrag die Hin-und-her-Bewegung zwischen verschiedenen Sprachen als einen Weg, die inneren Spannungen im vordergründig Lieblichen zu offenbaren. Das Abschlusskonzert mit Studierenden der Barenboim-Said Akademie stellt das musikalische Phänomen des Kontrapunkts am Beispiel von Werken von Bach, Verdi und Bartók in den Mittelpunkt.