Frank Gehrys 90. Geburtstag

Ein Konzertabend zu Ehren des Pierre Boulez Saal Architekten

Der offene und experimentierfreudige Geist, der Frank Gehry zum vielleicht bedeutendsten Architekten unserer Zeit gemacht hat, durchdringt jede Aufführung in dem von ihm entworfenen Pierre Boulez Saal. Dieser einzigartige Raum ist ganz unmittelbar mit dem Wesen seines Architekten verwoben – und so war er auch ein perfekter Rahmen für die Feier von Gehrys 90. Geburtstag am 28. Februar 2019. Zu einer musikalischen Hommage an Gehrys Leben und Werk versammelten sich an diesem Abend Daniel Barenboim, Martha Argerich, Michael Barenboim, Studierende und Lehrende der Barenboim-Said Akademie und Mitglieder des West-Eastern Divan Orchestra, die dem Saal seit seiner Eröffnung eng verbunden sind. 

Auf dem Programm standen an diesem besonderen Abend neben einem selten zu hörenden Werk von Robert Schumann zwei zentrale Kompositionen des Namensgebers des Saales, Pierre Boulez. Daniel Barenboim betonte in seiner Rede für Frank Gehry die Freundschaft von Gehry und Boulez, ihre gemeinsamen Ziele, Ideen und Impulse – es gebe deshalb kein passenderes Werk zu diesem Anlass als Pierre Boulez‘ Sur Incises. Das ungewöhnlich besetzte Werk für drei Klaviere, drei Harfen und drei Schlagzeuge lässt – ähnlich wie Anthèmes II - durch räumliches Zusammenspiel und Klangkombinationen Tongebilde von hochspannender Komplexität entstehen. Auch Schumanns Quintett Variationen, die zwischen den Werken Boulez‘ zu hören waren, stellen ein Experiment in Klangqualität und -kombination dar.

Der Pierre Boulez Saal gehört zu den emotional ausdrucksstärksten Bauprojekten von Frank Gehry. Er ist nicht nur sichtbarer Ausdruck seiner Liebe zur Musik, sondern auch seiner Beziehung zu Daniel Barenboim und Pierre Boulez. Gehry setzte damit das von Boulez formulierte Konzept eines „modularen Konzertsaals“ (einer salle modulable) um und schuf mit seinen in den rechteckigen Raum eingesetzten Ovalen einen Saal, in dem Musik auf intime und zugleich allumfassende und flexible Art und Weise erlebt werden kann. Ein Saal, in dem die räumlichen Beziehungen der Musiker untereinander ebenso wie zwischen Künstlern und Publikum verschiedene Nuancen der Wahrnehmung berücksichtigen und verfeinern. Wie Daniel Barenboim an diesem Abend sagte: „In diesem Saal sind wir von Ihnen umgeben und genau deshalb gibt dieser Saal jeder Person, die hier spielt, ein ganz besonderes Gefühl, das anders ist als in jedem anderen Konzertsaal auf der Welt. In diesem Saal ist alles Eins. Das ist meine Definition von Musik. Und genau darum geht es in diesem Saal.“