DR. YAEL ALMOG

Lehrbeauftragte für Sozialwissenschaften

BIOGRAPHIE

Yael Almog promovierte im Dezember 2014 an der University of California, Berkeley. Sie ist gegenwärtig Research Fellow für Geistesgeschichte am Lichtenberg-Kolleg der Georg-August-Universität Göttingen. Zuvor forschte sie am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) Berlin.

Almog stellte vor kurzem ihre erste Monographie fertig, eine Kulturgeschichte der Art und Weise, in der literarische Interpretation zur weltlichen, modernen, globalen Praxis geworden ist. Das Buch untersucht, wie Figuren wie J. G. Herder, Moses Mendelssohn und Immanuel Kant Bibelleser mit Lesern gleichgesetzt haben, um beide Gruppen als kohärente Kollektive gegenseitig zu formen.

Unter dem Arbeitstitel Fictions of Return beschäftigt sich ihr zweites Buchprojekt mit dem vorgestellten Wiederauftauchen der Juden in Europa als einem wiederkehrenden Topos moderner Literatur, Kunst und politischem Denken. Es zeigt auf, wie der Kontinent zu einem neuen und unheimlichen „Zion“ im modernen jüdischen Kulturgedächtnis geworden ist. Europa wird heute als verlorene Heimat der Juden konzipiert, als Territorium, aus dem man vertrieben wurde. Dieser Eindruck wurde durch die Schuldgefühle, soziale Isolierung und das historische Unrecht, das die Zuneigung individueller Juden zum Kontinent Europa seit den 1930er Jahren prägte, verstärkt. Das Projekt zeigt auf, wie Werke von deutsch-jüdischen Emigranten und jüdischen Migranten in Deutschland mit dem Bild von Europa als bedrohlichem Ort für Juden umgehen und dabei die widersprüchlichen Rollen, die dieses Bild in der Weltpolitik gespielt hat, betonen. Das Buch fragt, wie „Fiktionen der Rückkehr“ damit zur ständigen Herausforderung für politische Theorien geworden sind, die das Massenexil fern von Europa aufgrund seiner Unumkehrbarkeit als entscheidend für die Nachkriegsrealität beschreiben, wie zum Beispiel Hannah Arendts Beschreibungen des Totalitarismus zeigen.

Almog unterrichtete Sozialwissenschaften an der Barenboim-Said Akademie Berlin, jüdische Literatur und Philosophie an der Technischen Universität Berlin, Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin und Deutsch und Freie Künste an der University of California, Berkeley. Kurse, die sie konzipierte und unterrichtete, sind beispielsweise „Die Frankfurter Schule in den USA“, „Deutsch-jüdische Literatur von 1750 bis 1950“, „Judentum und Sexualität“ und „Apokalypse und Moderne“.


PUBLIKATIONEN

  • Yael Almog, Secularism and Hermeneutics (under contract with the University of Pennsylvania Press for the series “Intellectual History of the Modern Age”; expected publication in spring 2019)
  • Yael Almog, Caroline Sauter and Daniel Weidner (eds.) Kommentar und Säkularisierung in der Moderne. Munich: Fink, 2017. 
  • Yael Almog and Erik Born (eds.) Neighbors and Neighborhoods: Living Together in the German-Speaking World. Cambridge: Cambridge Scholars Publishers, 2012.
  • “Europe Will Be Stunned: Visualization of a Jewish Return” in Amir Eshel and Rachel Seelig (eds.) The German Hebrew Dialogue: Studies of Encounter and Exchange. Walter de Gruyter, 2017 (in print).
  • “Die Judenbuche and ‘das Judens-buch’: Hermeneutic Hindrance and Scriptural Reading in Droste-Hülshoff’s Crime Novella.” The German Quarterly 89.3, Summer 2016: 328-42.
  • “Migration and its Discontents: Israelis in Berlin and Homeland Politics.” TRANSIT 10. 1, December 2015. (German version: „Das Unbehagen in der Diaspora. Israelis in Berlin und die Homeland-Politik“ The Heinrich Böll Foundation, April 2015)
  • “Sublime Readings: The Emergence of the Aesthetic Bible in Herder’s Writings on Hebrew Poetry.” The Simon Dubnow Institute Yearbook, Vol. 12, November 2013: 337-52 (German version: „Sublime Lektüren: Die ästhetische Bibel in Herders Schriften über Hebräische Poesie.“ Glaube und Lernen  31/2016, Heft 1: 70-83).      
  • “’Flowing Myrrh upon the Handles of the Bolt’: Bodily Borders, Social Norms, and their Transgression in the Song of Songs.” Biblical Interpretation, Vol. 18, May 2010: 251-63.