Interview mit dem Rektor der Barenboim-Said Akademie

„Ein Signal nach Nahost senden“
Michael Naumann über die Aufgaben der Akademie und ihr erstes Jahr in Berlin.


Herr Naumann, in der Beilage zur Eröffnung des akademischen Jahres der Barenboim-Said Akademie im Dezember 2016 haben Sie geschrieben: „Weltoffenheit und Neugier auf die jeweils anderen geben den Ton an“. Ist die Akademie heute noch notwendiger als damals?
Leider ja. Wir bilden junge Menschen aus dem Nahen Osten aus. Die politische Situation dort ist so verfahren wie nie zuvor seit der Gründung des Staates Israel. Millionen Syrer, Iraker und Kurden sind auf der Flucht. Menschenrechte werden mit den Füßen getreten. Hunderttausende Zivilisten sind in den letzten zwei Jahrzehnten in Kriegen umgekommen. Derzeit gibt es keine andere Region in der Welt, in der die globalen außenpolitischen Verwerfungen der Gegenwart massiver sind als im Nahen Osten. Die Reduzierung amerikanischer Außenpolitik auf den Einsatz von Bomben, Drohnen und punktuellen Eingriffen in bürgerkriegsähnlichen Situationen ist das Gegenteil von Neo-Isolationismus, der Trump ja unterstellt wird. Die Rolle Russlands – denken Sie an die Bombardierung von Aleppo – ist unerträglich. Der syrische Giftgaskrieger Assad, die Machtprojektionen Teherans und Riads mitsamt ihren fundamentalistischen, genauer, terroristischen Konsequenzen – dies alles bildet eine blutige Konfliktmelange, die zum Himmel schreit. Die nahöstliche Entwicklung legitimiert die kulturpolitische Funktion unserer kleinen Akademienoch stärker, als es bei der Gründung abzusehen war. Für mich ist sie das gelebte Beispiel einer friedvollen, harmonischen Zukunft – gewissermaßen das Gegenbild zur schrecklichen Gegenwart in der Region.

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